ERICH KÄSTNER (1899-1974) "DANACH" Mensch, Leute, ick muss Euch wat erzählen!
Ick war doch neulich in Kintopp!
Na, da is mir vielleicht was passiert!
Also ick sitz da – und dis is n wunderschöner Film
Und anner schönsten Stelle –
Du globst et nich – also wirklich – Filmriss!
Ick da hin zu dem Männeken – und: Mach den Film wieder an!
Kleb den, irgendwie – aber mach wat!
Du kannst mich nich so nach Hause schicken!
Ne, ne, sacht der, junges Fräulein, das hat alles seine Richtigkeit!
Et wird nach einem Happy End
Im Film jewöhnlich abjeblend!
Man sieht bloss noch in ihre Lippen,
seinen Schnurrbart stippen
Da hat se nun den Dschentlemen, na und denn?
Denn gehen die beeden brav int Bett –
Naja, is ja ooch ganz nett.
Aber manchmal möcht man ooch jerne wissen
Was machen die beeden wenn se sich nich grade küssen?
Die könn ja doch nich bloss immer penn, na und denn?
Denn säuselt im Kamin der Wind,
Denn kricht det junge Paar n Kind,
Dann kocht se Milch,
Die Milch looft über,
dann macht er Krach - sie weent drüber.
Dann wollen sich beede jänzlich trennen –
Na und denn?
Denn is dit Kind nich uffm Damm.
Dann bleiben de beeden doch zusammen.
Dann quälen se sich noch manche Jahre,
er will noch wat mit blonde Haare –
vorne doof und hinten minoren
na und denn?
Denn sindse alt.
Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Verjessen Kuss- und Schnurrbart-Zeit,
Ach Menschenskind, wie liecht det weit!
Wie der noch scharf uff Muttern war,
dit is schon beinah nich mehr wahr.
Der olle Mann denkt so zurück,
wat hatta nu von seinem Glück?
Seine Ehe war zum größten Teile:
Verbrühte Milch und Langeweile.
Und darum wird beid Happy End
Im Film jewöhnlich abjeblend.
Jetzt wissen wat!